Feeling Face Form

ggg

Eine außergewöhnliche Plattform
hat Elke Pichler aufgebaut. Die Künstlerin geht den Spuren der Tänzerin Susanne Schmida nach, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Tanzunterricht mit der „Raumliniengymnastik“ theoretisch untermauert hat. Der Zufall spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des eindrucksvollen Stüc-kes „Gefühl Gesicht Gestalt“. Nicht nur dass Pichler mit ihrer Kompanie FeinSinn zufällig auf den Nachlass Schmidas gestoßen ist, besteht FeinSinn auch aus einer spartenüber-greifenden KünstlerInnengruppe, deren Kern eine Band ist, die die Performance im Fest-spielhaus St. Pölten mitagierend und –spielend begleitet hat. Überdies hat die Choreogra-fin auch zwei SchülerInnen Schmidas gefunden (Sieglinde Gerold, Wolfgang Kühn), die das Erinnern tanzen, während sie selbst das Wollen und Wirken der Ausdruckstänzerin Schmida ins Heute übersetzt und tanzend kommentiert. Das tat sie mit klugem Humor, Feingefühl und erfrischender Distanz. Zudem auch mit dem Wissen, dass das junge Publi-kum kaum eine Ahnung von Susanne Schmida haben kann. Videoeinspielungen, live zi-tierte Texte und die Rekonstruktion von Bewegungsabläufen der „Raumliniengymnastik“ geben einen interessanten Einblick in die Arbeit der Tänzerin Susanne Schmida. Die Tänzerin Elke Pichler schlägt in einem faszinierendem Duett mit einem Tisch die Brücke zur Gegenwart. Im weißen Licht zeichnen sich scharf die Schlagschatten des bewegten Körpers ab, eine Einladung zum Träumen, zur Flucht aus der Wirklichkeit. Nichts da. Einer fährt mit dem Tretroller rund um die Bühne. Es darf gelacht werden. Erinnerung, sogar Ehrung, glückt auch ohne Pathos.

Österreich TANZT 2012 im Festspielhaus St. Pölten. 1. und 3. Abend am 6. und 8. 6. 2012